Ratgeber
Technisches SEO Checkliste: die wichtigsten Prüfpunkte.
Diese Checkliste fasst die technischen Prüfpunkte zusammen, die in nahezu jedem Audit relevant sind – geordnet von den grundlegenden Voraussetzungen bis zur laufenden Qualitätssicherung. Sie eignet sich zur Selbstprüfung und als Grundlage für Gespräche mit Ihrem Entwicklerteam.
Über diesen Ratgeber
CB
Cyrus Badde
SEO-Experte, Autor mehrerer Fachbücher
- Mehr als 20 Jahre SEO-Erfahrung
- Aus der Praxis technischer Audits
- Regelmäßig geprüft und aktualisiert
Technisches SEO folgt einer klaren Logik: Eine Seite kann nur ranken, wenn sie gecrawlt, gerendert und indexiert wurde. Die Reihenfolge dieser Checkliste spiegelt diese Kette wider. Fehler in den ersten Abschnitten wirken sich auf alles Weitere aus – deshalb lohnt es sich, oben zu beginnen.
Nicht jeder Punkt ist für jede Website gleich wichtig. Ein kleiner Handwerksbetrieb muss sich nicht mit Logfiles beschäftigen, ein großer Onlineshop dagegen unbedingt. Nutzen Sie die Liste als Orientierung, nicht als Pflichtprogramm.
Crawling: Kann die Suchmaschine Ihre Seiten erreichen?
Am Anfang steht die Frage, ob Suchmaschinen-Crawler Ihre wichtigen URLs überhaupt abrufen dürfen und können. Häufige Ursachen für Probleme sind zu restriktive robots.txt-Regeln, Bot-Schutzmechanismen und Links, die nur per JavaScript entstehen.
- robots.txt ist erreichbar und sperrt keine wichtigen Bereiche
- XML-Sitemap ist in der robots.txt referenziert und in der Search Console eingereicht
- Wichtige Seiten sind über normale HTML-Links erreichbar
- Firewall, CDN und Bot-Schutz blockieren seriöse Crawler nicht
- Interne Suchergebnisse und endlose Filterkombinationen sind vom Crawling ausgenommen
Indexierung: Landen die richtigen Seiten im Index?
Crawling ist keine Garantie für Indexierung. Der Bericht zur Seitenindexierung in der Google Search Console zeigt, welche URLs nicht indexiert sind und warum. Besonders aufschlussreich sind die Gründe „Gecrawlt – zurzeit nicht indexiert“ und „Duplikat – Google hat eine andere Seite als kanonisch bestimmt“.
- Keine wichtigen Seiten mit noindex
- Staging- und Testumgebungen sind nicht indexierbar
- Anzahl indexierter Seiten passt grob zur Anzahl relevanter Seiten
- Dünne oder automatisch erzeugte Seiten sind nicht im Index
- Indexierungsgründe in der Search Console werden regelmäßig geprüft
Statuscodes und Weiterleitungen
Jede URL sollte eine eindeutige, korrekte Antwort liefern. Gelöschte Inhalte ohne Nachfolger antworten mit 404 oder 410, verschobene Inhalte mit einer direkten 301-Weiterleitung. Weiterleitungsketten kosten Crawl-Ressourcen und verzögern die Signalübertragung.
- Interne Links zeigen direkt auf Zielseiten mit Status 200
- Keine Weiterleitungsketten oder -schleifen
- Fehlerseiten liefern echte 404- oder 410-Statuscodes (keine Soft-404)
- HTTP leitet auf HTTPS, eine Host-Variante (mit oder ohne www) leitet auf die andere
- Serverfehler (5xx) werden überwacht
Canonicals und Duplicate Content
Duplicate Content entsteht selten absichtlich: Parameter, Sortierungen, Druckversionen, Groß- und Kleinschreibung oder Trailing Slashes erzeugen technische Duplikate. Das Canonical-Tag signalisiert die bevorzugte Version – ist aber nur ein Hinweis, den Google bei widersprüchlichen Signalen ignorieren kann.
- Jede indexierbare Seite hat ein selbstreferenzierendes Canonical
- Canonicals zeigen auf indexierbare URLs mit Status 200
- Canonical, interne Links und Sitemap verweisen auf dieselbe URL-Variante
- Parameter-URLs sind konsolidiert oder vom Crawling ausgenommen
- Paginierte Seiten verweisen nicht pauschal auf Seite 1
Architektur und interne Verlinkung
Die interne Verlinkung bestimmt, welche Seiten Suchmaschinen als wichtig wahrnehmen und wie schnell neue Inhalte gefunden werden. Eine flache, thematisch logische Struktur hilft Nutzern und Crawlern gleichermaßen.
- Wichtige Seiten sind in wenigen Klicks von der Startseite erreichbar
- Keine verwaisten Seiten ohne interne Links
- Aussagekräftige Ankertexte statt „hier klicken“
- Breadcrumbs spiegeln die Struktur wider
- Themenverwandte Seiten sind miteinander verlinkt
Performance und Core Web Vitals
Die Core Web Vitals messen Ladegeschwindigkeit (Largest Contentful Paint), Reaktionsfähigkeit (Interaction to Next Paint) und visuelle Stabilität (Cumulative Layout Shift). Maßgeblich sind die Felddaten realer Nutzer, nicht nur Labortests.
| Metrik | Misst | Gut (laut Google) |
|---|---|---|
| LCP | Ladezeit des größten sichtbaren Elements | ≤ 2,5 Sekunden |
| INP | Reaktion auf Nutzerinteraktionen | ≤ 200 Millisekunden |
| CLS | Unerwartete Layoutverschiebungen | ≤ 0,1 |
- Das LCP-Element wird nicht per Lazy Loading verzögert
- Bilder haben Breite und Höhe bzw. ein Seitenverhältnis
- Bilder in modernen Formaten und passenden Größen
- Render-blockierende Ressourcen sind minimiert
- Third-Party-Skripte sind auf das Nötige reduziert
Rendering und JavaScript
Wenn Inhalte erst im Browser per JavaScript entstehen, muss die Suchmaschine die Seite rendern. Google kann das, aber mit Verzögerung und nicht immer vollständig. Viele andere Crawler – darunter manche KI-Crawler – rendern gar nicht.
- Wichtige Inhalte und Links stehen im ausgelieferten HTML
- Links sind echte <a href>-Elemente
- Gerenderte Seite im URL-Prüftool der Search Console kontrolliert
- Title, Canonical und Meta-Robots werden nicht erst per JavaScript gesetzt
- Fehlerseiten liefern auch in Single-Page-Applications korrekte Statuscodes
Mobile, strukturierte Daten und Sicherheit
Google indexiert nach dem Mobile-First-Prinzip. Inhalte, die mobil fehlen, existieren für Google faktisch nicht. Strukturierte Daten helfen beim Einordnen von Inhalten, müssen aber mit dem sichtbaren Inhalt übereinstimmen.
- Mobile und Desktop-Version enthalten dieselben Inhalte
- Strukturierte Daten sind valide und inhaltlich korrekt
- Keine Auszeichnung für Inhalte, die nicht sichtbar sind
- HTTPS durchgängig, keine Mixed-Content-Warnungen
- Sicherheitsupdates für CMS und Plugins eingespielt
Internationale Websites
Bei mehreren Sprach- oder Länderversionen sorgt hreflang dafür, dass Nutzer die passende Version sehen. Fehler sind hier besonders häufig, weil jede Seite auf alle Alternativen verweisen muss.
- hreflang-Angaben sind gegenseitig (Rückverweise vorhanden)
- Korrekte Sprach- und Ländercodes (z. B. de-AT, nicht de-AU)
- x-default für eine Auswahl- oder Standardseite
- Keine automatischen Zwangsweiterleitungen nach IP
- Canonicals zeigen nicht auf andere Sprachversionen
Monitoring und Qualitätssicherung
Technisches SEO ist kein einmaliges Projekt. Jedes Release kann neue Fehler einführen. Ein einfaches Monitoring verhindert, dass Probleme erst Wochen später auffallen.
- Regelmäßige Crawls mit Vergleich zum Vorzustand
- Alerts für noindex, robots.txt-Änderungen und 5xx-Fehler
- SEO-Checkliste als Teil des Release-Prozesses
- Search Console wird regelmäßig ausgewertet
- Verantwortlichkeiten sind klar geregelt
Wer das nicht selbst leisten möchte, findet passende Optionen unter technische SEO-Betreuung.
Fazit
Diese Checkliste deckt die häufigsten technischen Ursachen für Sichtbarkeitsverluste ab. Die eigentliche Arbeit beginnt mit der Einordnung: Welche Befunde kosten tatsächlich Sichtbarkeit, und in welcher Reihenfolge sollten sie behoben werden?
Genau dafür gibt es den Quickscan und das technische SEO Audit. Wie Sie ein Audit selbst strukturiert durchführen, beschreibt unsere Audit-Anleitung.
Inhalt
- Crawling: Kann die Suchmaschine Ihre Seiten erreichen?
- Indexierung: Landen die richtigen Seiten im Index?
- Statuscodes und Weiterleitungen
- Canonicals und Duplicate Content
- Architektur und interne Verlinkung
- Performance und Core Web Vitals
- Rendering und JavaScript
- Mobile, strukturierte Daten und Sicherheit
- Internationale Websites
- Monitoring und Qualitätssicherung
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